Prolit Promotionsstudiengang "Literaturwissenschaft"
print

Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Katharina Simon

katharina.simon[at]campus.lmu.de

Zeit-Räume. Unverfügbare Räume zwischen Verfall und Vergangensein in Literatur und Film

In Benjamins Trauerspiel-Buch erscheint die Ruine als paradoxale Figur der Verräumlichung des Zeitlichen im Modus des Verfalls/Vergangenseins. Ein Ausgangspunkt für das Projekt, das im close reading Versionen dieser Grundfigur in ausgewählten Texten und Filmen von Charles Baudelaire, Marguerite Duras, Alain Resnais, Chris Marker und Angela Carter herausarbeiten möchte. Es soll um (auf das Subjekt hin entworfene) Wohn- und Stadträume gehen, die über ihre Zeitlichkeit und ihre Beziehung zur Vergangenheit definiert sind. Die Arbeiten konstruieren diese Raum-Zeichen, deren Spektrum vom Bruchstück über die Ruine, das verfallende Haus, die verfallende Stadt bis zum Grab(-mal) oder Kenotaphen reicht, als dem Zugriff entzogene Fremdkörper in der Gegenwart der erzählten Welt. Resnais’ Muriel macht deutlich, dass es sich um eine Denkfigur handelt: Die materiell unversehrte maison qui glisse wird erst in der Erzählung einer Nebenfigur zur (zukünftigen) Ruine.
Sowohl die innere Struktur dieser Raum-Zeichen als auch die Systeme, die sie ausbilden, müssen Teil ihrer Lektüre/Betrachtung sein: Dass ein mediales Äußeres je intensiv miteinbezogen ist (die Malerei bei Baudelaire, die Literatur in der Nouvelle Vague, der Film bei Carter), profiliert das Problem der Verortung/Konstruktion von Raum in Literatur und Film zusätzlich. Seine Diskussion umfasst auch die Nachzeichnung der je unterschiedlichen Bewegungen (Schichtung, Überblendung, Verschränkung, lineare Abfolge, Kreis- oder Spiralbewegung), über die einzelne Orte innerhalb (post )kolonialer Raumordnungen miteinander verknüpft werden. Daneben sind in diesen Konfigurationen die Aspekte von Repräsentation (im Sinne von Herrscherportrait und Monumentalarchitektur), Konstruktion von Weiblichkeit (bzw. Fetischisierung) und Erinnerung/Abwesenheit von Erinnerung (bis hin zum Trauma) eng verwoben, ihre Bedeutung wird aber auch über die Konstruktion einer näher zu bestimmenden emotionalen Färbung (spleen, Melancholie) generiert.