Prolit Promotionsstudiengang "Literaturwissenschaft"
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Henrique Barbosa Primon

Henrique Barbosa Primon

Raum, Agency, Erzählung. Nationale Peripherien und gesellschaftlicher Wandel im Familienroman [2000 - 2021]

Das Promotionsprojekt soll das Zusammenspiel zwischen räumlicher Darstellung und figuraler Agency als theoretische Grundlage für die Interpretation zeitgenössischer Familienromane untersuchen. Es gliedert sich in zwei Hauptteile: Erstens wird ein theoretischer Rahmen entwickelt, der räumliche Darstellung und Agency miteinander verknüpft; zweitens wird das Analysepotential dieses Rahmens auf ausgewählte Fallstudien des Familienromans untersucht und diskutiert — Jonathan Franzens The Corrections (2001), Jenny Erpenbecks Heimsuchung (2008) und Ronaldo Correia de Britos Galiléia (2008). Der theoretische Teil befasst sich mit narratologischen Konzepten des erzählten Raums, Kategorien von Agency, multiperspektivischem Erzählen sowie Gattungstraditionen, um aufzuzeigen, wie diese die Darstellung figuralen Handelns beeinflussen. Der analytische Teil wertet dieses integrierte theoretische Modell in zeitgenössischen Romane aus und untersucht, wie räumliche Dynamiken die Autonomie von Figuren in peripheren nationalen Regionen prägen — der nordamerikanische Mittlere Westen in Franzens Roman, Ostdeutschland in Erpenbecks Roman und der brasilianische Nordosten in Britos Werk. Die Dissertation zielt darauf ab, die bestehende Lücke eines theoretischen Modells zu schließen, das Raumtheorie mit Agency in der Literaturwissenschaft verbindet. Die zentrale Annahme lautet, dass diese Romane eine fragmentierte Form individueller Agency darstellen, die weiterhin durch die jeweiligen peripheren nationalen Räume geprägt ist und damit — so unsere These — einen Paradigmenwechsel im Genre anzeigen: Der familiäre Zerfall wird nicht mehr primär durch soziale oder ökonomische Kategorien dargestellt, sondern durch räumliche und aktionale Desintegration.

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